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KI in der Praxis

5. Mai 2026

Seit Anfang 2025 beschäftige ich mich intensiver mit KI (Künstliche Intelligenz) bzw. AI (Artificial intelligence), deren Chancen und Risiken. Darüber gibt es einen separaten Beitrag, dem ich auch immer noch neue Gedanken hinzufüge.

Lokale KI-Instanz

Aber auch die praktische Anwendung wollte ich besser kennenlernen, und so richtete ich eine lokal betriebene Instanz von Ollama ein, die es erlaubt, öffentlich verfügbare KI-Modelle zu nutzen. Die Nutzung ist dabei sehr einfach, wenn Ollama erst einmal läuft:

$ ollama launch openclaw
Installing OpenClaw...
Configuring model...
Adding web tools...
✓ OpenClaw is running

Sehr bald stieß dieser Ansatz aber an die Grenzen der mir zur Verfügung stehenden Hardware (KI nutzt für gewöhnlich den Grafikspeicher): einfache Modelle waren quälend langsam und die Ergebnisse praktisch nicht zu gebrauchen. Größere und damit auch leistungsfähigere Modelle konnten in der Regel – wegen unzureichender Speicher-Ausstattung – nicht ausgeführt werden. So wurde dieser Weg sehr bald nicht mehr weiter verfolgt. Inzwischen gibt es KI-Modelle, die sich auch auf eher sparsam ausgerüsteter Hardware betreiben lassen und die ich noch untersuchen will: die Llama-3-Reihe von Meta (insbesondere die kleinen Varianten wie Llama-3-8B) oder Phi-3 von Microsoft. Darüber werde ich vermutlich in einem eigenen Beitrag detaillierter berichten.

KI selbst zu betreiben, ist die eine Seite der Medaille (und setzt ggf. die Anschaffung nicht ganz preiswerter Hardware voraus), öffentliche Tools zu nutzen, eine andere.

Nutzung öffentlicher Chats

Unbestritten können durch die Verwendung von KI/AI bestimmte Arbeiten effektiver zum Ziel geführt werden. Ich nutze in letzter Zeit häufiger einen KI-Chat, um Programmieraufgaben schneller erledigen zu können, z.B. benötiget ich letztlich für ein WordPress-Plugin einen regulären Ausdruck, um HTML-Quellcode zu bereinigen. Ich legte den zu bereinigenden Quelltext vor und das erwünschte Ergebnis. Es bedurfte einer weiteren Nachfrage bei ChatGPT, da der erste Vorschlag nicht zum Ziel führte — was auf den ersten Blick zu sehen war. Dennoch dauerte das Ganze keine fünf Minuten. Durch eigene Versuche mittels eines Online-RegEx-Testers wäre ich so schnell nicht zum Ziel gekommen.

Bei der Nutzung von KI-Chats sind m.E. mehrere Dinge zu beachten:

  • Komme ich durch eigenes Nachdenken in vertretbarer Zeit wirklich nicht zu einer Lösung bzw. Antwort (unser Gehirn will benutzt werden)?
  • Chat-Anfrage oder herkömmliche Verwendung einer Suchmaschine
    (Stromverbrauch, siehe: Energiebedarf modernen Lebens)
    nicht für jedes Problem(chen) ist die Inanspruchnahme einer KI sinvoll und notwendig!
  • Kann ich den Wahrheitsgehalt der Aussage prüfen?
  • Was passiert mit den Daten, die ich zur Verfügung stelle?

Generell sollten Anfragen soweit wie möglich anonymisiert gestellt werden: in den wenigsten Fällen dürften schützenswerte (private) Daten notwendig sein, um eine vernünftige Antwort von der Maschine zu erhalten. Wenn man noch größeren Wert darauf legt, dass verantwortungsvoll mit den zur Verfügung gestellten Informationen umgegangen wird oder die Daten nicht nach Übersee geschickt und dort verarbeitet werden, kann z.B. der europäische KI-Chat Euria genutzt werden (bis zu fünf Anfragen täglich ohne Anmeldung).

KI nutzen?

Die Antwort lautet wohl heute – vor allem im Berufsumfeld – ganz klar: JA. Ich lese gerade das Sachbuch von Manfred Spitzer mit dem Titel „Künstliche Intelligenz“, welches 2023 bei Droemer Knaur erschienen ist und welches meines Erachtens das Thema sehr umfassend und vor allem auch allgemein verständlich behandelt. Dort werden viele großartige Anwendungsfälle für den Einsatz von KI beschrieben, die die Menschheit bereits heute an einigen Stellen signifikant voran gebracht haben.

Und immer wieder wird betont, dass durch KI vermutlich nicht die Fachleute überflüssig (= arbeitslos) werden, wohl aber diejenigen, die in ihrer Arbeit die Möglichkeiten von KI nicht nutzen. Das gilt natürlich nicht für alle Berufe, denn einige werden gewiss wegfallen, je weiter sich die Einsatzmöglichkeiten und die Robustheit der neuen Technik entwickeln. Das kann man beklagen, muss aber auch eingestehen: Mit der Verbreitung von Motorfahrzeugen wurden immer weniger Hufschmiede gebraucht. (Technische) Weiterentwicklung ist regelmäßig mit solchen Einschnitten verbunden — die Herausforderung besteht darin, das Ganze sozialverträglich zu gestalten (was aber vermutlich leider nicht geschehen wird).

Welche KI nutzen?

Interessierte finden im Internet verschiedene Vergleichstests der (großen) KI-Chats und die Ergebnisse dürften auch einer hohen Änderungsrate unterliegen, da ja alle Anbieter in rasendem Tempo neue (und bessere [?]) Modelle auf den Markt werfen. Deshalb gebe ich hier ganz bewusst keine Empfehlungen (weder für einen Vergleich, noch für zu benutzende KI-Angebote). Zudem hat sich gezeigt, dass nicht jedes Angebot für jeden Anwendungszweck gleich gut geeignet ist.

Das heißt: wenn man es wissen will, muss man wohl eine Suchmaschine (m.E. nicht unbedingt eine KI 😊) bezüglich der letzten Testergebnisse konsultieren und auf dieser Grundlage die Schlüsse für den eigenen Anwendungsfall ziehen. Für konkrete Suchen nach dem geeignetsten Angebot ist wahrscheinlich eine kurze Problembeschreibung hilfreich.

Für einfache Anfragen, bei denen auch die Datenlage relativ klar ist (z.B.: „Wie viele Unfälle gab es in Berlin 2024 mit Radfahrern?“ — selbst getestet) sind die Antworten identisch bis sehr ähnlich, in diesen Fällen ist es sicher gleichgültig, welchen Chat man benutzt. Ist die Anfrage oder Aufgabe spezieller, kann es von Bedeutung sein, von welcher Instanz man die Antworten liefern lässt.

Und schließlich muss man sich noch entscheiden, ob man lediglich ein kostenfreies Angebot nutzen möchte oder bereit ist, für die in Anspruch genommene Arbeitserleichterung Geld auszugeben. Unter Umständen ist dies eine relativ einfache Rechnung: nicht nötiger Einsatz von Arbeitszeit (in Stunden) mal Stundensatz im Vergleich mit den Kosten für die KI.


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